Mittwoch, 23. Mai 2012

Triple R (Riley Reinhold) - Artikel über die Stilrichtung "Electro"




Electro 

Written with very special help of DJ Rootpowder, Formic Rec. Köln



Nein, mit dem Club Elektro in Berlin, der sicherlich hier mehr als eine Erwähnung verdient hätte, hat dieser Artikel nichts zu tun. Im Zuge aber eines neuen Hypes wie Trip Hop, der auf gesampelten Hip Hop Beats in Kombination mit trippigen Sequenzen baut, ist es an der Zeit, auf Elektro hinzuweisen und damit vielleicht bei manchen ein stilles Interesse zu wecken. Elektro ist eine Richtung elektronischer Musik, die in 1982 in den USA seinen Urprung fand, vergleichbaren Einfluß hatte auf Techno wie House und sich gleichermaßen auf Kraftwerk berief.
Wegbereiter des Elektro war Afrika Bambatta, der mit Hits wie Planet Rock und Looking For A Perfect Beat Musikgeschichte schrieb.
Kraftwerks Computerwelt und später Tour De France setzten in der frühen Phase von Elektro Standarts und vermittelten ein futuristisches Bild von der Zukunft, das man sich schlichtweg einverleibte. Bis in unsere Zeit hinein gibt es wenige Elektroplatten, die nicht von Kraftwerk-Sequenzen Gebrauch machen.
Im Unterschied zu House, ist der direkte Einfluß auf Techno House, was das überwechseln von Artisten von einem Camp ins andere, b.z.w. das Sampeln alter Platten angeht, relativ gering. Alleine Juan Atkins Cybertron, dem Vorgänger von Modell 500, zeigt eine Linie auf, die 1982 mit Cosmic Car auf dem californischen Label Fantasy beginnt und bis in unsere Zeit andauert. Fairerweise muß gesagt werden, daß weder seine Elektro Platten, noch seine Technoplatten stellvertretend waren für jene Epoche und das er mit I See The Light 1994 wieder eine Elektroplatte veröffentlichte.
Sicherlich auch von Elektro inspiriert war die Brooklyner Techno Szene Anfang der 90ger rund um Joe Beltram, How & Little und Franky Bones, deren Stücke alle auf einem Hip Hop Beat fußten. Witzig auch, daß Westbams großer Hit Monkey Say Monkey Do sich mit Liquid Liquids- "Optimo" eines New Yorkers Elektro Beats bediente.
Charakteristika eines jeden Elektrotracks sind, neben dem programmiertem 808 Hip Hop Beat: Vocoderstimmen (durch einen Computer in eine andere Stimmlage transponierte, geprochene Worte), RAP, Instrumentierungen durch Analogsynthisiezerklänge, Harmoniewechsel von Akkorden und Scratching . In seltenen Fällen gibt es Gitarrenparts. Auf der Rückseite findet sich immer eine Instrumental-Seite. Auffällig auch, die zum Ende eines Stücks hin oft zunehmende Eskalation von Sounds.
Die Obsession und der Spaß an Technik und der damit verbundene Glaube, die Mißstände in seiner Heimat-Stadt beheben zu können, war Gegenstand von Raps, genauso wie Hip Hop typisches Machogehabe . Titel wie, Computer Age, Auto Man, Im Not A Robot, Space Cowboy, Ground Control, Space Is The Place, Cyborg Dance und Teknology waren nicht selten und drückten Enthusiasmus gepaart mit einer leichten Skepsis in Bezug auf die Zukunft aus. Oft ging es mit der Begeisterung soweit, das der Interpret sich so darstellte, als ob er nicht von der Erde, sondern vom Mars käme. Der Blick in die Zukunft und das Bekenntnis zur Computerästhetik ließen kitschige, klischeemäßige Computersounds, wie man sie aus 60ger Jahre Science Fiction kennt, geschmackvoll in Stücke einfließen.
Was Jack für House bedeutete in den Texten sämtlicher Oldschool Platten, war Phreak für Elektro.Phreaks Are On The Floor Now, A Phreaky Situation, e.t.c., es war kein Ende absehbar.
Das Equipment, das auf Platten benutzt wurde und der experimentelle Umgang mit diesen, erinnert in vielerlei Hinsicht an Techno-produktionen von heute. 808, analoge Synthies und Samples, d.h. live eingespielte Scratches von Platten.
Elektroplatten wurden vorzugsweise von Breakdance DJ aufgelegt, fanden sich inmitten von kommerziellen Discosets wieder und dienten oft als Soundtracks für Break Dance Filme, wie z.B. Wild Style.
Eines der wenigen Elektrostücke, das in Deutschland in die Charts kam, war Johnzon Crews-Pack Jam (Electro Boogie), das obskur genug als Soundtrack zur ersten Staffel von Formel I im deutschen Fersehen lief.
Reine Elektrolabel, wie Freak Beat, Egyptian Empire, Rappers Rap, Music Specialist oder Right On, sind eher selten und scheinen als Einzelaktionen, aus der persönlichen Not heraus enstanden zu sein, schlichtweg nicht woanders veröffentlichen zu können. Ein Label, welches verschiedene Interpreten veröffentlichte, später dann bis in die 90ger hinein auch Techno herausbrachte war Cutting. Kurioserweise ist genau auf diesem Label jetzt mit 740 Boys - Shimmy Shake wieder eine gute Elektro Platte erschienen. In den meisten Fällen sind es größere Labels, wie Tommy Boy, Vanguard, Fantasy oder z.B. Cutting, die jede Art von schwarzer Musik veröffentlicht haben, b.z.w. Mayors wie Polydor, Atlantic und EMI.
Standbein von Elektro war neben New York auch Miami, dessen Stil von Elektro in der späteren Phase als Miami Bass bezeichnet wird und das mit Fantasy als eines der Label schon 1982 mit der Veröffentlichung von Cybertron bahnbrechendes leistete. Mit dem Beginn von House 85/86 ging es bergab mit Elektro, gleichzeitig aber kam mit dem californischem Label Technohop (später Technocut) eine weitere Variante dazu, die toughere und schnellere Beats gebrauchte. Miami Bass dagegen setzte auf einen durchgehenden Beat mit tiefer Bassdrum, die oft eine Melodie spielte, zu der in Form von Zitaten, collagenartig und stilistisch verschieden, Samples und eine Menge geniales Scratching kamen.
Sofern man davon überhaupt sprechen kann, weil die meisten Platten individuell stark verschieden waren, so lassen sich dennoch Merkmale heraustellen.
Keiner war futuristischer, düsterer und abrakter als Juan Atkins. Nur Planet Detroits - Return Of Planet Detroit (Pandisc) - zielt mit seiner Ernsthaftigkeit in eine änliche Richtung. Electric Funk - On A Journey arbeitete schon 82 mit gerader Bassdrum, dennoch mit Elektro-Feel
Newcleus war trippiger, funkiger, spaciger Elektro, genauso wie Johnson Crew. Egypian Lover war super synthischer Elektro mit egyptischen Melodien, extrem gut produziert und seiner Zeit vorraus. The Unknown DJ -808 Beats war stark 808 fixierter, puristischer Sound. Wir wollen hier nur einige nennen.
Abschließend bleibt zu sagen, das es sich bei den erwähnten Platten um progressive handelt und das es wie bei jeder anderen Musikrichtung auch hier kommerziellere, discoorientiertere Outputs gibt, die dennoch manchmal interessante Dubparts aufwiesen.

Ein Potential b.z.w. ein Interesse für Elektro scheint bei Produzenten in Detroit zumindest noch immer vorhanden zu sein. So erschien auf UR mit der Drexciya 4 - The Unknown Aquazone ein reines Elektro Doppelalbum. Auf 430 West erschien mit Bass Magnetic eine Elektro Doppel 12" und Juan Atkins veröffentlicht mit I See The Light seit langer Zeit wieder eine Elektro Platte. Ungebrochen in ihren Bemühungen Elektroplatten zu veröffentlichen, ist Pan Disc eines der wenigen Labels, die auch jetzt noch Elektro herausbringen, wie auch Cutting nach mehrjähriger Pause wieder mit einer Platte aufwartet.


1981
Kraftwerk - Computerwelt
1982
Afrika Bambatta & Soul Sonic Force (Tommy Boy) , Kinkina - Jungle Fever (Profile), Quadrant Six - Body Mechanic (Atlantis), Electric Funk - On A Journey (Prelude), Winobi - Funky Soul Makassa(Street Wise), Man Parrish - Hip Hop Be Bop (Sugar Scoop)
1983
Twilight 2 - Electric Kingdom (Vanguard), Ice T + Chris Taylor - Reckless Tibetan Jam (Polydor), Formula 5 - Killer Groove (Write On), Rich Cason + Galactic Orchestra - Veai 2001 Boogie (Rappers Rap), G-Force -Feel The Force (SMI), Kraftwerk - Tour De France (EMI), Hashim - Al Naa Fish (Cutting), Egyptian Lover - Egypt Egypt (Freak Beat), I.M.S. - Nonline (Emergency),Cybertron - Clear Enter LP (Fantasy), Capt. Rock - Return Of Capt. Rock (NIA), P Crew - Nasty Rock (Prelude), Rockmaster Scott - Its Life (Profile), Bobby Jimmy - We Like Ugly Women (Rapsur), Newcleus - Jam On It (Sunny View), Z Factor - Fast Cars (Mitchball) (direkter Vorläufer von House), Jonzun Crew - Pack Jam (Tommy Boy),
1984
Imperial Broth -We Come To Rock (Cutting), Jamie Jupiter - Computer Power (Egyptian Empire), Cybotron - Techno City (Fantasy), Pretty Tony - Fix It In The Mix (Music Specialist), Planet Detroit - Return Of Planet Detroit (Pan Disc), Palmer Force Two - Street Wars (Pan Disc), Paul Hardcastle - Rainforest (Profile), Dynamic Breakers - Dynamic (Sunny View),
1985
MC QP - Hello Baby (MDA), Sugarstyle 909 - The Beat Is Mine (On The Spot), LA Dream Team - Rockbeny Jan (Dream Team Rec.), World Class Wreckin Crew - Juice (Kru - Kut), Kosmic Light Force - Mysterious Waves (Night Beat), Information Soci. - Running Wide Angel (Tommy Boy), Arabia Prince - Innovator (Rapsur), Unknown DJ - Lets Jam (Techno Hop), Modell 500 - No Ufos (Metroplex).
1994
Drexciya 4 - The Unknown Aquazone (UR), Bass Magnetic (430 West), Crazy LEggs - Happy And You Know It (Pan Disc), 740 Boys- Shimmy Shake (Cutting)


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