Mittwoch, 23. Mai 2012

Triple R (Riley Reinhold) - Interview - Frank De Wulf für Frontpage Magazin





Frank De Wulf

von Triple R


"House Musik ist da weil es die Technologie gibt und nicht umgekehrt"
Frank De Wulf ist einer der Eckpfeiler der europaeischen Technoszene, wie sie 1991/92 seien Hoehepunkt errreichte. Irgendwann einmal wurde es still um ihn, obwohl er seit seinen grossen Hits als B-Sides konstant weiter produziert hat und heute mehr DJed als je zuvor, wie er selbst sagt. Es beduerfte seiner eigenen Initiative, Label zu gruenden und wieder ganz klein anzufangen, ohne jegliches Brimborium, fast schon heimlich, um sich dann letztendlich mit Growth und Tribal Sun, wieder an die Spitze der Dancefloormover zu setzen. Respekt, Frank De Wulf is back, obwohl er das gar nicht gerne hoert, denn weg war er eigentlich nie.




FP: Wie ist der Stand der Dinge momentan, du hast zwei neue Labels, Growth und Tribal Sun?
FW: Ich erzaehl dir kurz die Geschichte. Wie die meisten Leute wissen, war ich auf verschieden Labels. Keines der Label davon war mir (?). Ich habe als A&R Mann gearbeitet fuer andere und irgendwann wollte ich das nicht mehr, sondern wollte mein eigenes Label. Vor sechs Monaten habe ich angefangen zwei neue Labels zu starten. Tribal Sun ist vom Stil her progressiv House und Growth eher Techno.
FP: Wie ist es dazu gekommen, dass du in diese Situation gerutscht bist. Du warst einer der ganz grossen Namen des europaeischen Techno mit B-Sides.
FW:Um es vorrauszuschicken ich bin kein Star. Ich bin nicht der Typ, der die Arme in die Hoehe reckt. Ich bin kein Sven Vaeth. Bravo fuer sie wenn sie es koennen, ich aber bin gegen so etwas. Es gab eigentlich nur zwei Moeglichkeiten, Moby zu moegen oder nicht und wenn ich eine andere Entscheidung getroffen haette, waere ich jetzt da wo Marusha und die anderen sind . Als ich noch einen wirklich grossen Namen hatte, zur Zeit der ersten Mayday, hat mich das nicht sicher fuehlen lassen. Was passiert ist, ist das ich Sachen nicht mehr unter meinem Namen rausbringen wollte.
FP: Was hast du nach B-Sides auf anderen Labeln veroeffentlicht? Um es uns nochmal ins Gedaechtnis zu rufen.
FW: Ich habe Platten auf R&S veroeffentlicht, wie "Close Your Eyes" und Remixe gemacht fuer z.B. Jam & Spoon. Ausserdem habe ich viel auf Mickey House Records und kleinen independent Labels produziert, die nur als White Labels erschienen sind, um etwas Spass zu haben.
FP: Was waren das fuer Sachen?
FW: Sachen, die funktioniert haben. Heutzutage funktioniert nichts mehr so wie B-Sides. Die Tage sind vorbei. Ich glaube das waren die Goldenen Jahre.
FP: Denkst du oft ueber die Vergangenheit nach? Kommst du auf sentimentale Gedanken was das angeht?
FW: Nein. Es ist nur so, dass ich heutzutage mehr Respekt vor den Stuecken habe, als ich es dann hatte. Es ist wirklich komisch. Klar Leute kamen frueher zu mir und haben gesagt, "Dies ist wirklich super!". Aber das war zu einem Zeitpunkt, als ich mein Studio kaum verliess. Erst durch den Erfolg der ersten B-Sides, bin ich angeregt worden auszugehen, zu DJen, in andere Laender zu reisen. Das war vier bis fuenf Jahre her, aber jedesmal wenn ich Leute treffe redet man noch ueber B-Sides. In diesen Tagen war es fuer mich so simpel Stuecke zu machen. Ich ging ins Studio und kam herraus mit Stuecken die wirklich funktionierten. Der Zeitpunkt war einfach der richtige. Vinyl verkaufte sich noch gut. Es gab kein so grosses Angebot an Technoplatten. Wenn du anfaengst Musik zu machen, beginnst mit simplen Sachen, so ist das immer und ehrlich, dass war es, was ankam. Je aelter du wirst, je groesser dein Studio wird, dest mehr experimentierst du. Dieses Experimentieren ist natuerlich kommerziell nicht so gut verwertbar. Viele denken, dass ist zu schwerverdaulich und machen komerziellere Sachen. Bitte schau dir die Bonzai Platten an. Sie funktionieren, aber sie sind kommerzeill. Das ist nicht mein Stil.
FP: Du bist aber dennoch ein Mensch, der Stuecke machen will, die sich auf dem Dancefloor beweisen?
FW: Ja, natuerlich. Das ist weshalb ich meine Label gegruendet habe. Ich will nicht sagen, dass ich ein Comeback machen will, sondern da weitermachen will, wo ich jetzt bin. Die Platten verkaufen sich gut und man respektiert mich und das soll so bleiben.
FP: Hast du waehrend der Zeit nach den B-Sides, herrumexperimentiert?
FW: Ich habe alles gemacht. Schon vor den B-Sides habe ich kommerzielle und unkommerzielle Sachen gemacht. Ich habe nichts gegen Kommerzialitaet so lange sie nicht obzoen und agressiv ist, wie "Suck My...". Ich mag so etwas nicht. Das hat nichts mit Musik zu tun. An bestimmten kommerziellen Sachen wie z.B. Gypsy Women kann ich Spass haben. Ich will nicht sagen, dass ich ein Fan bin, aber ich kann das akzeptieren, weil viele Leute das moegen. Ich wuerde mir lieber so etwas wie Gypsy Women anhoeren als Bonzai, weil das wirklich nicht im entferntesten Sinne produktive Musik ist. Was ich wirklich gerne mag ist Basic Channel.
FP: Das wollte ich dich gerade fragen, eben wegen deiner zweiten Platte auf Growth. Da hoert man das herraus!
FW: Es klingt ein bisschen zu viel nach Basic Channel muss ich gestehen. Das ist mir ein wenig peinlich. Die Sache ist wenn du im Studio bist und an einem Track arbeitest, merkst du irgendwann nicht mehr wie er exakt klingt, weil dir die Distanz fehlt. Als die Platte herrauskam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Entschuldigung an Basic Channel aber jetzt ist es leider zu spaet. Ja, ich meine ich mag Basic Sounds, wie sie auch von Bandulu kommen, dass ist es was ich mag. Fuer mich ist das Trance Musik, ganz egal was Leute dazu sagen. Viele Leute sind der falschen Meinung was Trance angeht. Sie glauben, das wenn man einen Finger fuer einen laengeren Zeitpunkt auf eine Keyboardbaste legt, dass sei Trance. Das hat nicht damit zu tuen. Respekt zu Cosmic Baby und den anderen, sie sind nette Menschen, aber deren Musik hat nichts mit Trance zu tuen.
FP: Legst du heute noch so viel auf wie frueher?
FW: Sehr viel. Ich habe den Eindruck, dass Leute denken ich sei halb tot. Es ist komisch, ich lege heutzutage mehr auf als zum Zeitpunkt der B-Sides. Ich lege sehr viel auf in der Schweiz und England. Unter anderm war ich in der letzten Zeit auch in den USA, Australien und Finnland. Ich kann mich nicht beschweren. Seltsam ist es trotzdem, frueher, als mein Name richtig gross war, bin ich oft in Deutschland und Italien gewesen, als ich dann nicht mehr unter meinem Namen produzierte, keine Hits hatte in dem Sinn, habe ich auch nicht mehr in Deutschland aufgelegt. Man koennte sagen, das die deutsche Szene sehr progressiv ist, immer die neuen Trends direkt aufgreift.
FP: Findest du das ein bisschen unfair, jemanden so haengen zu lassen?
FW: Nein, auf keinen Fall. Es ist deren Entscheidung. Ich glaube im Gegenteil, dass ich zu einem gewissen Zeitpunkt zu viel in Deutschland aufgelegt habe. Wenn du jemanden oft hoerst, auch wenn er gut ist, kann es dir zu viel werden. "Every day chocolate cream is a little bit too much." Ich werde aber dennoch in der naechsten Zeit, nach laengerer Pause wieder in Deutschland auflegen. Das Interesse scheint wieder zu wachsen.
FP: Deine Platten auf Growth und Tribal Sun sind hier gut eingeschlagen. Man koennte sagen, "Frank De Wulf Is Back."
FW: Ich weiss nicht. Ich glaube es geht nicht darum Zurueckzukehren. Ich mache das jetzt seit fuenf Jahren und manche andere werden ueber Nacht zum Star und verschwinden am naechsten. Ich war an der Spitze, bin verschwunden und baue es langsam wieder auf. Ich bin jetzt auf einem gutem Level und glaube mir, ich will nicht wieder nach oben. Ich habe viel gemacht, dass Leute nicht verstanden haben. Was ist zum Beispiel deine Beziehung zu R&S?
FP: Um in den Worten von Dave Angel zu sprechen,"Frueher war R&S so etwas wie der Rolls Royce des Techno", heute ist R&S so etwas wie der Mittelklassewagen.
FW: Das ist das selbe was Leute von mir denken. Wie auch R&S so habe ich viel nach neuem gesucht, was viele Leute nicht wuerdigen konnten. Ich persoenlich habe Sachen gemacht, die zehn mal besser finde als B-Sides.
FP: Was war das?
FW: "Wishflower" zum Beispiel. Ich weiss garnicht ob das Leute in Deutschland kennen. Es war eine sehr softe Trancenummer und kam heraus auf Mickey House. Auf dem Label habe ich 17 Platten herrausgebracht, aber ich glaube, dass viele nicht nach Deutschland kamen. People In Motion haben vier Platten auf ihm veroeffentlicht, die sich in Holland gut verkauft haben, die aber in Deutschland keine Nachfrage aufkommen liessen. Ich muss sagen, ich trauere der B-Sides Zeit nicht nach, es war eine wunderbare Zeit, aber nun bin ich fuenf Jahre aelter und mache viele verschiedene Sachen.
FP: Was z.B.?
FW: Ich habe eine Videofirma, wir machen Clips fuer X-Mix, Animationen und stellen Werbung her fuers Fernsehen. Der Grund warum ich das tue, ist weil ich das Feeling auf Raves mag, wenn 3000 Leute vor dir ausflippen. Dieses Feeling will ich den Leuten in ein paar Jahren visuell vermitteln koennen. Stell dir vor 3000 tragen diese Virtuell Reality Brillen, tanzen und fliegen nur so durch den Raum.
FP: Glaubst du, das das der Weg der Zukunft ist. Animationen staerker einzubeziehen in Musik. ACV will ja auch einen derartigen Weg einschlagen.
FW: Definitiv. Es ist ein Weg den wir gehen werden, weil die Technologie da ist. House Musik ist da weil es die Technologie gibt und nicht umgekehrt. Ich glaube wenn Leute ausgehen, das ist das Schubladendenken, dass sie denken, Housemusik und Raves sind die beiden Moeglichkeiten als Jugendlicher Spass zu haben. Was ich glaube realisiert werden muesste, ist das Kids um 18.00 Uhr ausgehen koennten und unglaublich viel Spass haben koennten, bei einer Mixtur aus Videospiel, Virtuell Reality und bestimmten fliessenden, ambienten Mechanism. Ich weiss nicht, Sachen wovon die Leute sagen werden, "Ueber was um Gottes Willen spricht er." Es wird Reality werden, sicherlich.
FP: Du hast gesagt, du magst den Spirit auf Raves. Wie stehst du dem ganzen Phenomen gegenueber. Gibt es eine Rave Szene in Belgien?
FW: Ja, natuerlich. Die Raveszene ist aber nicht mein Ding, weil sich dort alles zu wiederholen scheint. Wenn ich ausgehe, moechte ich in einen Club gehen, wo Musik laeuft, die ich noch nicht gehoert habe, etwas das mich ueberrascht.
FP: Das ist aber eher eine Clubsache oder?
FW: Die Sache die Raves interessant macht, ist doch einfach das Gemeinschaftsgefuehl. Eine Sache die ich nicht mag, ist diese, nennen wir es Gang Sache, dass wenn ein paar Leute sagen, dieser DJ ist gut und alle anderen derselben Meinung sind. Diese Mentalitaet kommt natuerlich daher, dass die Leute zu jung sind, um entscheiden zu koennen was gut und schlecht ist. Gemaess dem Fall, du bist in einem Club, wo ein unbekannter DJ die Leute ausrasten laesst. Ich wuerde diesen Club als DJ immer einer Veranstalltung wie Mayday vorziehen, wo du dich immer beweisen musst, auf einem Level wo es unmoeglich ist dich zu profilieren. Es ist einfach nicht moeglich, in 45 Minuten 12000 Leute irgendwohin zu bringen. Auf der anderen Seite war die erste Mayday wunderbar. Das war die Zeit der ersten B-Sides, wo du diesen neuen Vibe spueren und sehen konntest. Wenn du heute auf eine Solche Party gehst kommen neue Leute, junge Leute und da kann man von mir nicht erwarten, das ist das selbe wie frueher mache. Ich will jetzt lieber in kleine deutsche Clubs gehen. Was ich mich immer frage ist, was die deutsche Jugend ueber Stars denkt wie Marusha und Sven Vaeth, die frueher wie ich den Underground auf der Flagge stehen hatten.
FP: Ich glaube, das sicherlich Leute abgesprungen sind, denen es zu kommerziell wurde, aber auf der anderen Seite gibt es eine so grosse Gruppe von neuen Leuten, die auf diese Musik zu stehn.
FW: Ich muss noch dazusagen, dass jedem, auch wenn er es verneint, die finanzielle Seite wichtig ist. Jemand der sagt, er tut es nur wegen der Musik und dem Underground, da muss ich entgegnen "Bullshit". Es gibt immer Ausnahmen, aber meistens funktioniert beides gleichzeitig nicht.
FP: Was wird in der Zukunft auf deinen Label erscheinen?
FW: Das ist schwer zu sagen, aber es wird so sein wie auf den B-Sides, dass es immer eine experimentelle und eine leichter zugaengliche Seite gibt.
FP: Legst du in absehbarer Zeit in Deutschland auf?
FW: Ich werde Ende diesen Monats in Frankfurt sein, fuer drei Tage.


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