Mittwoch, 23. Mai 2012

Triple R (Riley Reinhold) - Interview mit Dj Duke (Sex trax) für Frontpage

Sex Trax und Sex Mania sind momentan in Deutschland neben Strictly Rythm unbestritten die populärsten House Label New Yorks. Ob nun in den Charts von Heroen wie Sven Väth oder in deinen eigenen, ob in Techno oder Housecharts, es scheint keinen Unterschied zu machen...
Der "commen dominator" -sprich gemeinsame Nenner - findet sich momentan besonders auf dem "rundgeblasenem" Logo von Sex Trax. Es ist neben Power Music, Power Trax, Sex Mania und DJ Exklusive das neueste Label einer Person, DJ Dukes.
Verschiedenen Stilrichtungen hat er jeweils mit einem Label bedacht. Power Music steht für Vocaltrax, Power Trax für Instrumentaltrax und DJ Exklusiv für Fremdzugänge, von denen er oft Remixe anfertigt. Sex Mania steht letztendlich für progressives Material von ihm selbst.
Sex Trax dagegen ist sein neuestes Label und ganz speziell für Dritte, wie Felix The Housecat, Roy Davis, DJ Pierre, Freund Danell Dixon, Mark The 909 King und zukünftige Chicago Acts. Geheimtip ist der momentan unter dem Namen Mark The 909 King produzierende Artist, der sich mit seinem etwas agressiverem Gemisch langer Wild Pitch Tiraden in viele Flightcases hineingespielt hat.
Zurückzuführen ist dieses und viel mehr auf DJ Dukes Willenstärke, Vielfalt in die New Yorker Housescene zu bringen. Der aus Kopenhagen in den 80ern nach New York gekommende Däne zog es dort in die Clubs, Recordshops und letztendlich hinter die Turntables. In Nelles, einem Schikki-Schuppen, legte er jeden Dienstag vor einem weißen Publikum auf, bis er selbst beschloß, Musik zu machen. Völlig unbedarft, ohne jegliche musikalische Ausbildung ("...keiner hat mir irgendwelchen Harmonien-Scheiß beigebracht"), fing er an, Platten zu produzieren und Labels zu gründen. Er begann sozusagen in der Rolle eines weißen, schüchternen Alleinkämpfers , der vom Rare Groove b.z.w. Hip Hop kam und sich dem House zuwendete. Gerade dieser Zugang zur Musik kommt ihm heutzutage immer wieder zu gute, "bestimmt" das Unberechenbare in seinen Trax.
DJ Duke;"Es gibt zwar noch Rap-Parties, die Underground sind, aber du mußt nur den Fernseher auf MTV stellen und schon wird dir alles serviert. Bei House dagegen mußt du hinter Platten hinterherjagen. Es ist eine Art Herausforderung. Anfang der Achtziger, da bin ich breakdancen gegangen und es war eine tolle Atmosphäre, aber dann endete alles in Gewalt. So etwas machst du mit, wenn du 15 bist, aber irgendwann nervt es. Außerdem mußt du dich als Hip Hop Produzent immer mit den Rappern auseinandersetzen. Wenn du dagegen einen Housetrack machst, kannst du alles sofort von deinem Kopf durch die Finger in die Keyboards fließen lassen. Ich habe zwar auch mit Sängern zusammengearbeitet, aber das waren immer Leute, die intiutiv wußten, was ich wollte. Mir kam beim Testen der Bassline ein Chorus oder eine Hockline in den Kopf, die habe ich dann aufgeschrieben und in meinem Kleiderschrank singen lassen und aufgenommen. Nachher konnte ich dann alles noch umarrangieren."



Dj Duke gründete Sex Trax unter anderem als Reaktion auf Strictly Rythms Labelpolitik, bzw. wegen des Umstands, daß es kein anderes Label in New York gab, das Chicago House würdigte. Seine heimliche Liebe für Chicago House, die, wie erwähnt, in New York wenig Anerkennung fand, führte dann durch den Weggang des Phuture Mitglied Roy Davies von Strictly zur Gründung von Sex Trax. Dj Duke selbst mag es eigentlich gar nicht so gern extrem puristisch und schräg, wie man es von jemandem erwarten müßte, der ein Label führt wie Sex Trax. Es handelt sich hier vielmehr um einen Fabel von ihm, den es zu verwirklichen galt. Er persönlich versteht House Musik vielmehr als "Uplifting thing", als eine Massage, ein Gemeinschaftsgefühl. Techno ist für ihn ein zu individuelles Erlebnis. Trotz 30 produzierter Platten ist er über den Insiderstatus, den er bei der Presse und der Dance Scene genießt, noch nicht hinausgekommen, was ihn nicht ärgert, aber was er dennoch erwähnt. Auch im Ausland ist er durch seine Lizensierung von "Blow Your Wistle" richtig bekanntgeworden, was ihm unter anderem einen Auftritt bei Pop Of The Tops einbrachte.
Neben dem New Yorker Label Tribal America werden über die Beziehung des 4 Deck Wizards und Soundfactory DJs Junior Vazques zu DJ Duke, Sex Trax und Co Labels immer wieder dem Soundfactory Umfeld zugerechnet. Glaubt man dem Publikum, so hat die Soundfactory das beste Soundsystem der Welt, in dem ähnlich dem Ministry Of Sound die Hochtöner an kronleuchteränlichem Gestänge befestigt, die Höhen nach unten herabprasseln lassen. Von Junior Vazquez wird gesagt, daß er sich in der DJ-Kabine vier Meter über dem Publikum, hinter Unmengen von elektronischem Equipment verschanzt, mit Sampler & Decks auflegt und zwei Boys eigens dafür beschäftigt, ihm die Platten aus den Kisten zu ziehen. Ein verhauener Mix wird vom Publikum mit Pfiffen begleitet. Typisch für den Sound der Soundfactory, der von New Yorker Techno Djs verachtungsvoll als konservativ und lähmend bezeichnet wird, ist langes Ineinanderspielen vom Stil her sehr änlicher Stücke, die mehr als häufig von Vasques selbst sind. Ein Mix bedeutet dort das ständige Parallellaufenlassen zweier Platten. Für den Europäer ist dies sehr untypisch. Umgekehrt versteht man es dort, Witze zu machen über das DJen hierzulande. Ein oft gehörter Kommentar ist, "Couldn't mix a cake, but he would get a job in a railway office", womit die Unfähigkeit zu mixen und das hier übliche Aneinanderreihen von Tracks und das Warten auf den glücklichen Moment X gemeint sind.
Lauscht man den DJ Duke-Mixen auf einem der zahlreichen Label, wird man feststellen, daß sich mittlerweile eine Mischung aus Tribal House, Garage und Wild Pitch herauskristallisiert hat. Sind fast alle Stücke im gleichen Tempo produziert und ähneln sich in der Vorhersehbarkeit des Rhythmus, so ist das Abmischen und das Tüfteln neuer, oft ungewollt psychodelisch klingender Sounds sein Markenzeichen.
"Ich denke beim Produzieren immer an eine bestimmte Person und was für eine Art Sound diese Person wohl mögen würde. Bei "Blow Your Wistle" hatte ich z.B. so eine Mischung aus Londoner Härte und New Yorker Percussions im Kopf. Jeder Track hat somit sein eigenes Konzept. Wir suchen eben alle nach neuen Sounds. Außerdem versuche ich immer, meine Stücke sehr schnell fertigzustellen, nicht noch tausendmal kleine Verbesserungen vorzunehmen. Man langweilt sich ja auch, wenn man so oft den selben Track hört.
Diese Langweile versuche ich auch dadurch zu bekämpfen, daß ich sehr verschiedene Sachen mache. Wenn mal etwas nicht gelingt, egal, machen wir die nächste Platte. Das ist besser, als nur einen Sound zu haben, an dem sich die Leute nach einem Jahr sattgehört haben."


Special thanks für Photos und Support gehen an Gregor Wildermann und Sascha Lazimbat!

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