Mittwoch, 23. Mai 2012

Triple (Riley Reinhold ) Interview mit Joey Beltram ( für Frontpage)

Joey Beltram...


...is back !

Was man mit Joey Beltram verbindet ist sein Hardcore-Image der frühen 90ger. Der Erfinder der
Metasm Sounds und des legendären "Vortex", scheint für immer auf dieses Bild festgelegt worden zu sein, obwohl dieser zu Nu Groove Zeiten 1989-1990 seine höchste Phase der Kreativität hatte und in New York seit dem fest verwurzelt ist.
Cool und lässig wie eh und je, läßt ihn der Medienrummel um ihn deshalb kalt und auch auf die Frage was er in den Jahren 1993 bis 1994 gemacht hat, antworted er schlicht, er hat seine Keller aufgeräumt, mal alles sortiert. Nicht viel scheint sich für ihn geändert zu haben.
Die Leute die mit ihm zusammengearbeitet haben, wie z.B. Frankie Bones, Ralphie D, How & Little, Damon Wild und Mundo Muzique, die allesamt unter anderem auf der Brooklyn Beats Compilation (Easy Street ' 91) Stücke veröffentlichten, sind noch immer seine Freunde. Gesehen hat man ihn zuletzt in einem schwarzen Corvette (Latino Style?) mit Sonnenbrille als er in Brooklyn cruiste.
Dennoch etwas hat sich geändert, nicht umsonst, ist er vor ein paar Wochen, seit langer Zeit wieder einmal in Deutschland aufgetreten. Mit seine Beiträgen auf diversen Samplern (die zu den besten gehörten, von den gefeaturten!), wie z.B. der Trance Atlantic Reihe und nicht zuletzt seiner Compilation auf Trax und seinem Debut auf Warp hat er sich langsam aber beständig wieder in die Herzen der DJs gespielt.
"Quality" & "Consistency", in dem was man tut und wie man es tut, ist für ihn von enormer Wichtigkeit und so macht er sich wenig Sorgen über die Zukunft, denn Erfolg scheint sich bei ihm von selbst einzustellen. Brandaktuell ist seine Picture 10", die Invisible Record aus Promozwecken der kommenden LP von ihm vorgeschoben hat.

Triple R

sprach mit Joey Beltram:



Ich habe mit dir ein Interview gemacht, als du bei Mayday aufgelegt hast, daß ist eine lange Zeit her, seit dem habe ich dich hier nicht mehr auflegen hören. Legst du überhaupt noch in Deutschland auf?
JB:
Ja, ich erst kürzlich in Hannover mit Juan Atkins und Damon Wild.
FP:
War das eine US Nacht, oder...?
JB:
Nein, der Aphex Twin war noch da und etliche andere. Es war definitiv cool!
FP:
Ich meine mehr die Jahre zwischen 92 und 95.
JB:
Doch, ich habe einiges zwischendurch gemacht. Ich habe z.B. in Stuttgart, Düsseldorf und Berlin aufgelegt. Ich bewahre meine "Low Profile- Einstellung," aber so bin ich ja sowieso immer.
FP:
Macht es dir noch immer Spaß Techno zu produzieren. New York scheint derzeit nicht der Ort zu sein, um inspiriert zu werden für solche Musik? Was passiert momentan?
JB:
Es passiert hier nichts, ich meine es passiert hier schon etwas, aber es ist Müll, wenn du weißt was ich meine. Es ist ein Witz, was man hier Szene nennt. Ich nehme da garnicht teil bei so einem Schwachsinn. Es ist bloße Zeitverschwendung weil die Leute nicht die richtige Vorstellung haben, alles was sie spielen wollen ist.....es ist schwierig zu sagen, du mußt das wirklich an eigenem Leib erfahren. Ich würde das als kommerzielle Umgangsart von Musik bezeichnen.
FP:
Macht dich das nicht unglücklich zu sehen, das es 1991 mehr Techno-Outputs in New York gab als jetzt?
JB:
In gewisser Weise bin ich froh das es so ist, weil du immer viele Leute hast, die nur kurze Zeit mitmischen wollen, die auf den Wagen aufspringen, um ein paar Leute zu beeindrucken. Leute, die dabei sind, aus Gründen des falschen persönlichen Egos, um rumlaufen zu können und zu sagen:>b>" Ich bin jetzt auf einem major". Momentan gibt es nur eine handvoll Leute, die es machen und die es von Herzen tuen, Damon Wild, Steve Stoll, Mundo Muzique und ein paar andere. Für diese Leute habe ich vollen Respekt und wenn du deren Platten heute anhörst haben die über Jahre Qualität abgeliefert. Das sind die Leute die New York representieren, was die positive Seite angeht. Die anderen machen schlechte Raves, booken seit Jahren die gleichen no-name DJs, Leute die mit ihnen befreundet sind, es ist alles Politik. Mundo, Steve, Damon und ich, die wir jedes Wochenende in Europa auflegen, wir werden hier in New York nicht gebookt.
FP:
Wer legt dann überhaupt auf?
JB:
Ich will keinen Dreck aufwühlen, wirklich nicht. Die Leute die dies lesen, wissen wer sie sind. Es sind immer die gleichen Leute.
Ich halte gerade eine Doppel LP von dir in der Hand, die vor zwei Monaten veröffentlicht wurde. 'Aonox' auf Barramundi, einem belgischen Label. Das sind eher untypische industrial-listening tracks. Düster, wie man sie auch von Marco Michele (Out Of Orbit) kennt. Was ist da mit Joey Beltram passiert?
JB:
Das Material war ursprünglich für Visible Records Los Angeles intendiert, die es weiterlizensierten. Das sind Stücke, die ich 1993, als ich eine Pause gemacht habe, zustandegekommen sind. Um die '93 ging die Musik in so viele verschiedene Richtungen.........'89, '90, '91 gab es keine verschiedenen Styles von Techno, oder was man Techno zu diesem Zeitpunkt genannt hat. Es war eine Sache, entweder du hast sie gespielt oder nicht, es gab keine Diskussionen über, "Ja, das ist Break Beat", oder irgendetwas anderes. Das war recht cool, denn wenn du damals in einen Club gegangen bist hast du verschiedene Styles von Musik (Techno) gehört. Musik wurde danach sehr stark aufgeteilt, in Hardcore, 200 BPM Musik, melodischer Trance, welcher Leute hat einschlafen lassen und dann gab es noch.......eben so vieles anderes. Wenn du damals nur einen Stil gemacht hast, haben dich alle anderen, die da mehrgleisig fuhren, ignoriert.
Als die die Aonox Track gemacht habe, habe ich sie gemacht, weil ich sie mochte, nicht, weil ich meinte etwas anderes machen zu müssen, weil es andere so machten. Ich habe zu diesem Zeitpunkt, vieles was auf den Markt kam nicht gemocht, denn ich stehe auf das" Under One Roof"- Zeug von '89, '90 und '91. 1993 habe ich wie gesagt eine Pause gemacht in meinen Veröffentlichungen, ich habe aber weiterproduziert und dachte damals, daß das Aonox Material zu schwierig gewesen wäre um es zu veröffentlichen, so habe ich es für mich behalten und erst vor kurzem zu Visible gegeben. 1994 entschied ich mich wieder Platten im großen Stil zu veröffentlichen. Anderes Material das ich zurückgehalten hatte, erschien z.B. auf der Caliber EP auf Warp oder der Re-Releses Double 12" auf Trax . Das war das im Grunde das Jahr wo ich meinen Keller aufgeräumt habe.
FP:
Da muß ich dich direkt was fragen. Bei den Re-Releases war man sich hier immer einig, daß sie nicht alt sein konnten. Sie waren zu tricky und kompliziert für die Zeit dachten wir. Waren es nicht zum größten Teil neue Stücke?
JB:
Nein, nicht wirklich. Die meisten Stücke sind von Trax vorher released worden, um die 1991 herrum, bevor er sein Label schloß. Um genau zu sein, sind vier Stücke schon vorher veröffentlicht worden.
In Chicago schimpft ja jeder irgendwie über Trax, wenns ums bezahlen geht, daß hat dich aber nicht gestört, als du nach langer Pause dich entschlossen hast wieder eine Platte bei ihnen herrauszubringen?
JB:
Ja, Leute sagen Sachen über Larry, aber er macht die musikalische Linie und wir kommen beide sehr gut miteinander aus. Ich habe noch nie mit ihm ein Problem gehabt. Es ist ein cooler Typ und ich respektiere das was er in der Vergangenheit veröffentlicht hat. Trax war das erste Label was Acid vorgestellt hat, die die 909 gebraucht haben, was heutzutage ein Standart ist und eben vieles andere. Trax verkauft wieder gut und es gibt bei allen Sachen, immer zwei Seiten einer Medallie. Ich bin sicher, daß wenn du Larry anrufst, eine ganz andere Story hörst.
FP:
Ich möchte nicht penetrant sein, aber welche oder wie viele Stücke waren richtig neu?
JB:
Da bin ich nicht sicher. Ich glaube ein Stücke, das als erstes auf einer der vier Seiten ist, war recht neu. Übrigens sollte die Doppel 12" garnicht garnicht als Re-Release Platte erscheinen, obwohl eben diese vier Stücke schon auf Trax erschienen waren. Viele der Stücke auf der Platte kamen von B-Seiten, die ich vorher veröffentlicht hatte und die keiner wirklich zur Kenntnis genommen hatte, weil alle auf härtere Stücke standen zu diesem Zeitpunkt. Stücke die auf Nu Groove herrauskamen und einem der Sublabel 'Alibi'. Ich weiß nicht ob du irgendwas von dem Zeug hast? Wie z.B. "Technical Onslaught".
FP:
Ich muß gestehen leider nicht.
JB:
Kennst du "Let It Ride" ? Es war das erste was R&S von mir veröffentlichte, es kam herraus vor "Energy Flesh".
FP:
Das erschien unter deinem Namen, Joey Beltram?
JB:
Die Platte kam raus unter dem Namen 'Direct' aber es steht auf ihr, daß die Stücke von mir sind. Jeder weiß das. In den Staaten kam die Platte über Nu Groove auf Alibi herraus. Ich habe viel gemacht in '89 aber ich hatte natürlich keinen Namen zu diesem Zeitpunkt. Ich bin wirklich erst entdeckt worden mit "Energy Flesh". Das frühe Material kennen nur wenige und das ist es auch was Larry auf Trax herrausbrachte. Ein anders Projekt auf Trax sollte eigentlich the Re-Releases heißen, da hat Larry oder der Printer leider einen Fehler gemacht. Ich weiß garnicht, was jetzt mit der anderen Platte ist, die so heißen sollte. Auf dieser sollten Stücke von Nu Groove und Easy Street sein. Ich habe ein paar 12"s auf Easy Street veröffentlicht.
FP:
Um nochmal auf Visible Records zurückzukommen, hast du vor der Aonox noch Platten auf dem Label veröffentlicht?
JB:
Ja, in '93 unter dem Namen Odyssé 9. Das war meine erste Platte auf dem Label und die zweite des Labels überhaupt. Ich habe jetzt gerade eine 10" Picture Disc auf Visible herrausgebracht. Es ist so eine Art Promo für die kommende LP von mir, unter dem Namen Odyssé 9. Auf der 10" sind übrigens zwei 135 BPM Stücke eines davon ist exklusiv nur auf ihr.
FP:
Ich habe gehört sie soll sehr hart sein?
JB:
Nein, im Gegenteil, es sind eher mellow Tracks, ich weiß nicht. Leute haben mich zu einem bestimmten Zeitpunkt als Hardcore-Guy klassifiziert, der ich nicht bin, da muß ich betonen. Stücke wie "Vortex" oder "Mentasm" galten als die ersten Hardcore Tracks, wenn du aber die meisten meiner Stücke hörst, merkst du wie viel verschiedene Platten ich gemacht habe. Ich habe die Tracks um '91 gemacht weil ich etwas anderes machen wollte. Ich wollte nicht das machen, was andere gemacht haben, klassischer House. Ich wollte andere Bereiche erkunden. Jeder nach mir der die Stücke gehört hat, hat sich gesagt; "Cool, ich will auch Hardcore sein, aber ich will härter sein." Als dann viele Hardcore gemacht haben, habe ich mich schnell davon distanziert.
Du hast in der letzten Zeit immer öfters gute Stücke auf Compilations untergebracht, zuletzt auf der Trance Atlantic Serie. Hast du nie daran gedacht, anstatt sie dort rauszubringen vielleicht alle zusammen auf einer 12" oder vielleicht auf deinem eigenem Label zu veröffentlichen?
JB:
Ich habe gerade was laufen in Bezug auf mein eigenes Label Syntox. Ich habe ja schon Platten auf dem Label herrausgebracht.
FP:
Ich kenne nur die Evil A.D. - Destruction EP, welche gibt es noch?
JB:
Ich habe noch eine andere pressen lassen, die kam aber nie offiziell herraus, sondern nur als Promo, die ich an meine Freunde verteilt habe. Ich werde jetzt ganz offiziell wieder anfangen das Label zu puschen, ich hatte keine Lust das Label nur nebenbei zu machen, sondern will mir damit ein wenig Mühe geben. Ich war zu beschäftigt in '94.
FP:
War das dein einziger Versuch ein Label zu gründen?
JB:
Nein, mir gehörte damals Alibi, ein Sublabel von Nu Groove. Wir haben nur vier Platten veröffentlicht. Dann gab es noch weitere Offshots von Nu Groove z. B. Rythmatic Rage und Sue Records, die nicht meine Label waren, auf denen ich aber Stücke hatte.
FP:
Was hälst du von "harten" Techno heutzutage, oder was ist für dich hart und wie stehst du heute dazu?
JB:
Ich mag von jedem etwas, weiß du. Jeder Track spricht für sich. Ich habe nichts dagegen wenn ein Stück hart ist, es gibt keine Regel die mir sagt; "wenn es hart ist, darfst du das nicht mögen." Es gibt diverse Sachen, die ich persönlich hart finde, die andere aber nicht hart finden.
FP:
Was ist das?
JB:
Ich finde Gabba sehr hart, aber ich mag es nicht. Acid Scout ist hart, aber sehr gut, ich spiele es oft in meinem Set. Jeff Mills Zeug auf Waveform ist hart aber sehr gut.
FP:
Wen magst du von den Producern momentan?
JB:
Jeff Mills steht ganz oben auf der Liste, Luke Slater, Damon Wild, Mundo Muzique, Paul Johnson, Mike Dunn.
FP:
Wie würdest du deinen Stil beschreiben wenn du auflegst?
JB:
"Bouncy", ich spiele alles, beschränke mich nicht nur auf New York oder Chicago Stuff.
FP:
Als du eine Platte auf Warp gemacht hast war das eine große Überraschung für viele.
JB:
Ja, das glaube ich. Ich verschicke viele Demos und die gehen da und dort hin. Ein Freund von mir lebt in der Ecke und hat ein Tape bekommen und so muß es zustandegekommen sein. Bei Warp war das so, daß sie früher viel mehr Dancefloor gemacht haben und dann kaum mehr etwas und da war es schon eine Überraschung das sie meine Tracks genommen haben, weil es sehr dancefloorfreundliche Stücke waren.
FP:
Was glaubst du wie viele Platten du schon gemacht hast?
JB:
Ich habe um die 75-80 Platten gemacht, wo ich in irgendeiner Weise involviert war.
FP:
Was gibt es bei dir für Zukunftsprojekte?
JB:
Ich stehe in Verhandlungen über eine LP bei Tresor und eine neue 12" auf Trax.


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