Dienstag, 26. Februar 2013

Alexander Robotnik - Interview with Riley Reinhold

alexander robotnik


Alexander Robotnick
Riley Reinhold
rrr@buzz.de
Ein Artikel über den Italiener Alexander Robotnick hat, das vorweg, was elektronische zeitgenössische Musik betrifft, keinen aktuellen Anlaß. Vielmehr gilt es, den völlig vergessenen und genialen Künstler wieder ins Gedächtnis zu rufen, denn er ist bei historisch interessierten Hörern als Pionier in Sachen House und Techno nicht unbekannt und wurde durch die Wiederveröffentlichung seines Erstlingswerkes “Probl?mes D’Amour” Mitte 1997 wieder für DJs und Hörer relevant.
Der Italiener Maurizio Dami lebt heute zurückgezogen in der Chianti Region Greve in der Nähe von Florenz und produziert Ambient und Meditationsmusik, die Rückschlüsse auf seine besten Produktionen erkennen lassen. Selbst bekannten italienischen Musikern von heute ist er kein Begriff. Dabei hätte alles anders kommen können, denn Maurizio Dami aka Alexander Robotnick, der mit “Probl?mes D’Amour” 1983 einen Hit in New York hatte, der ihm kurz darauf einen Vertrag mit Sire einbrachte und Remixe vom weltbekannten Francois Kevorkian nach sich zog (unter anderem auch für Kraftwerk mit Remixen tätig), war seiner Zeit weit voraus.
Probl?mes D’Amour, das zwischen 1983 und 1997 gleich vier mal wiederveröffentlicht wurde und sich 100 000 mal verkaufte, war nicht nur vielleicht das erste Stück, welches eine, bzw. zwei Roland TB 303 Basslines gebrauchte, sondern vermochte futuristischen New Wave, Indie, Funk und nicht zuletzt Pop in den Dienst einer Dancefloorfunktionalität zu stellen, die für diese Zeit einmalig war. Nicht zu unrecht sehen Kritiker “Probl?mes D’Amour” als einen legitimen Vorläufer für House und Techno an. Beeindruckend ist das extrem hohe Produktionsniveau, der in den Emme/FUZZ DANCE Studios hergestellten frühen Stücke, deren glasklare, fast digital wirkende, stoische Ästhetik an Kraftwerk erinnert. Selten kommt man in den Genuß solcher komplex arrangierten Stücke, die trotzdem immer schlicht und elektronisch wirken und für manchen Produzenten noch immer ein Geheimnis darstellen.
Neben “Probl?mes D’Amour” gehören die Frühwerke “Computer Sourire” und “Dance Boy Dance”, die alle als 12″ veröffentlicht wurden, nach dem heutigen Verständnis zu den elektronischsten seiner Stücke. Zeitgleich produziert er unter dem Namen Mya & The Mirror und Gina & The Flexix mehr gesangsorientierte Stücke, die fast immer Elemente seiner Alexander Robotnick Stücke verwenden. Naif Orchestras “Check Out Five” an dem er federführend beteiligt war, ist definitiv ein weiteres Highlight. Fast alle seine Platten erschienen auf Fuzz Dance, einem Dance Ableger des italienischen Independent Vertriebs und Labels Materiali Sonori. Seit 1977 veröffentlicht er internationale zeitgenössische elektronische Musik, experimentellen Rock, Ethno Music, Film Soundtracks und poetische Texte, gilt als Alternativ-Vertrieb zu den existierenden. Auf Fuzz Dance erscheint 1980 die erste Veröffentlichung eine Disko EP. Erst ab 1993 scheint die Bezeichnung Disco-Avantgard zu greifen, hat man größtenteils mit eigenen Kräften (Giampiero Bigazzi, Arlo Bigazzi, Militia Bigazzi, Giancarlo Bigazzi, Marzio Benelli, Maurizio Dami, Marzio Benelli) und einem eigenen Breitband-Innenlogoformat Kraft in eine Vision gesteckt, die ihren Durchbruch in Alexander Robotnicks “Probl?mes D’Amour” fand. “Ich wollte ursprünglich Picture Discs pressen lassen, aber zu dieser Zeit wußte in Italien keiner, wie man dies macht, also vergrößerte ich das Logo. Die einzige definitive Reaktion darauf kam von dem Direktor von Warner Italien, der mich darauf ansprach, weil Prince dies auch mit einer seiner 12″s machen wollte.” (Arlo Bigazzi). Andere bekannte Artisten auf dem Label waren: Dissidenten, Winston Ton (ex-Tuxedomoon), Minimal Compact etc. Anläßlich dem 20jährigem Bestehen von Materiali Sonori hat man Fuzz Dance, auf dem seit 1988 keine Platten mehr veröffentlicht wurden, symbolisch neugestartet und vertreibt kleine Teile des Backkatalogs. Zu den aktuellen Projekten Materiali Sonoris gehört das Gemeinschaftsprojekt zwischen Minus Habens Records( dem bekanntesten Experimental-Elektronik Label Italiens) und ihnen, daß sich in dem neuen Remix Album It-Era Vulgaris Ncoded auf Drop niederschlägt.
Trotz des nachweislich geringen Bekanntheitsgrades von Alexander Robotnick in der existierenden Elektronikszene, wofür letztlich auch Fuzz Dance verantwortlich zeichnet, weil man das kommerzielle Potential von Tanzmusik damals höher eingeschätzt hatte, der Enthusiasmus von Tag zu Tag geringer wurde und somit auch die Promotionaktivität, ist Robotnick für die, die ihn kennen zu einer Ikone der frühen Dancefloor Musik geworden. Platten wie seine “Ce N’ Est Q’ Un” Debut LP werden nicht selten für mehrere hundert Mark gehandelt, obwohl sie ebenso mit etwas Glück in einem Second Hand Laden in New York für wenig Geld zu finden sind. Robotnick selbst hat aus persönlichen Gründen nie an der Vermarktung seiner Person teilgenommen, ging nie auf Tour, sondern gab stattdessen einige erlesene Live-Auftritte in Clubs seiner Heimatstadt Florenz.
Riley Reinhold sprach mit Alexander Robotnick via Sprachkomputer.
DE:BUG: Alexander Robotnick ist elektronische Musik mit einem poetischen New Wave Flair. Welchen Hintergrund hatte diese Produktion?
A.R. Mein erstes musikalisches Projekt fand innerhalb eines Dance Cabarets statt, das sich “Avida” nannte. Als Kind liebte ich französische Musik und Künstler wie Gilbert Becaud, Edit Piaf, Francoise Ardit und ….Antoine.
DE:BUG: Alexander Robotnick war dein erfolgreichstes Projekt und “Probl?mes D’Amour” wurde dann von Francois Kevorkian geremixt. Wie kam es dazu? Warst du mit den Remixen zufrieden?
A.R. Als ich mir damals Kevorkians Remix angehört habe, liebte ich ihn. Er hatte fast nichts geändert, außer daß er den Bass und die Drums kraftvoller gestaltete. Heutzutage finde ich meine wie auch seine Version unvollständig. Kevorkian remixte “Probl?mes D’Amour”, weil sie für Sire nicht professionell genug war. Er hat mehr Geld dafür bekommen als ich.
DE:BUG: Hat dich damals Kraftwerk beeinflußt?
A.R.Ich bin 1950 geboren 1950!
Ich habe mit meinem Musikstudium (Jazz Gitarre) sehr spät, mit 28, begonnen. Vor 1980 habe ich Gitarre in einem Jazz Quintet gespielt. Dann habe ich mich in elektronische Musik verliebt und ich begann, Keyboard zu spielen. Als ich 33 Jahre alt war, machte ich “Probl?mes D’Amour”. In den 70ern liebte ich Progressiven Rock aus England, dann den amerikanischen Jazz. Weather Report war einer meiner ganz großen Favoriten und ich mochte den besten Disko (Moroder). Auch wichtig war für mich der Modal Jazz der 60er (J. Coltrane). Danach kam der No-Wave aus New York (James White & The Contortians, Suicide e.t.c) und der New Wave aus England mit The Cure und Depeche Mode. Ich haßte aber den Dark Wave und den Pop Mitte bis Ende der 80er und ich begann, wieder J. Coltrane and Giacomo Puccini zu hören. Ich begann, Interesse an Ambient Musik zu finden. Letztendlich habe ich danach Gefallen gefunden an Underground House Produktionen, aber wegen persönlicher Probleme war es mir dann nicht möglich, etwas Gutes zu machen. Dann bin ich nach Indien gegangen und den Rest kannst du auf meiner Webpage lesen. Für mich sind Kraftwerk und Tangerine Dream die Väter aller elektronischer Musik. Das erste Mal habe ich Kraftwerk gehört bei einer Vorführung des “Squat Theaters” aus NY in Florence 1978.
DE:BUG: Was war der Auslöser für ein Projekt wie Alexander Robotnick?
AR: Im Grunde habe ich “Probl?mes D’Amour” mit einem New Wave Gefühl gemacht, um gegen den schrecklichen Dark Rock und Plastik-Pop zu protestieren, den du überall gehört hast. Ich habe eine TR 808, zwei Roland TB 303 Basslines und einen analogen Synth benutzt. Weiter nichts, kein professionelles Equippment. Deshalb klingt “Probl?mes D’Amour” wie späte House Musik, aber das Gefühl ist anders. Es gibt in diesem Stück keinen einzigen Loop oder Samples, alles ist programmiert und eingespielt worden. House Musik ernährt sich aber maßgeblich von Samples und Loops. “Probl?mes D’Amour” hat Menschen nicht so sehr wegen dem Inhalt begeistert, sondern wegen dem Independent Spirit, der in ihm steckt.
DE:BUG: Warum hast du mit deinem Projekt Alexander Robotnick aufgehört und begonnen Ambient Musik zu machen?
AR: Zuerst war Alexander Robotnick ein Fehlschlag. Zum Zeitpunkt des Erscheinens war der Sound in den europäischen Discotheken völlig anders. Nur in Florenz und in Neapel gab es einige, die das Stück dort im privaten Radio gehört hatten. Ein Jahr später wurde mir bewußt, daß man auf mich in New York aufmerksam geworden war, obwohl ich auf französisch sang. Aber ich hatte mich schon verändert und ich begann mit Soundtracks und ambienter Musik zusammen mit GMM (Giovanotti Mondani Meccanici – eine Video Kunst Gruppe). Zu diesem Zeitpunkt konnte ich kaum englisch sprechen und kann es auch noch immer nicht richtig. Dieses Interview ist für mich schwierig.
DE:BUG: Was ist für dich ein ambientes Meisterwerk?
AR: Ich liebe die Doppel CD von The Orb!
DE:BUG: Du hast Filmmusik für Alessandro Benvenuti, Antonio Climati, Marco Mattolini und Marco Risi gemacht. Was für Filme waren das?
AR: Das ist nicht so wichtig. Dabei ging es darum, Geld zu verdienen.
DE:BUG: Was bedeutet Naif Orchestra für dich?
AR: Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern. Ich habe einen Remix für sie gemacht.
DE:BUG: Wie bist du an Materiali Sonori gekommen?
AR: Ich habe sie 1981 in Florenz getroffen. Sie veröffentlichten meine erste EP “La bustina-AVIDA”. Wir wurden gute Freunde. Materiali Sonori war das einzige Independent Label, daß sich für neue Musik in Italien interessiert hat.
DE:BUG: Du bist involviert bei Fratuma Productions, die orientalische Musik veröffentlichen. Wie viel bedeutet dir das?
AR: Es sind Freunde von mir. Manchmal bin ich bei ihnen im Studio.
DE:BUG: Du produzierst momentan Musik mit indischen Einflüssen, was interessiert dich daran?
AR: Ich weiß nicht genau. Ich liebe indische Musik, daß klassische daran, die Hingabe und Bally Sagoo auch. Ich glaube, daß altertümliche Formen des Musikmachens viel damit zu tun haben, wie man in der Zukunft Musik machen wird.
DISCOGRAPHie: Alelaxander Robotnick
(Vinyl)
Probl?mes D’ Amour * – Alexander Robotnick (MASO-SIRE-WEA/1983) Probl?mes D’ Amour (Ah Ou Ah Version) – Alexander Robotnick (MASO-SIRE-WEA/1985)
Computer Sourire/Dance Boy Dance – Alexander Robotnick (MASO 1985)
Ce N’ Est Q’ Un Debut – Alexander Robotnick (MASO LP/1984) Ce N’ Est Q’ Un Debut/Check Out Five – Alexander Robotnick + Naif Orch. (MASO 7″/1984)
Fuzz Dance Compilation – A.R., MYA, Naif O.(MASO RECORDS LP /1985) C’ Est La Vie – Alexander Robotnick (MASO RECORDS, SIRE-WEA/1987) C’ Est La Vie – Alexander Robotnick (MASO RECORDS, SIRE-WEA FRANCE /1987) C’ Est La Vie – Alexander Robotnick (WEA 7″ /1987) G.M.M. – Compilation (MASO LP/1985)
Love Supreme – G.M.M./A.Robotnick (MASO /1987 )
Les vacances – Alexander Robotnick (DFC-EXPANDED RECORDS)
(CD)
Probl?mes D’ Amour In Firenze Sogna – Alexander Robotnick (MASO CD1993)
* Diente als ein Teil des Soundtracks für den italenischen Film “National Lampoon”.
Other Projects by Maurizio Dami
Maurizio Dami – Forza Viola (Special 12″/7″) Maurizo Dami – GMM/Ambient Music (Maso / 1984) Mya & Mirror – Hesitation (Fuzz Dance/ 1984) Naif Orchestra – Check Out Five (Fuzze Dance/ 1984) Gina & The Flexix – I Wanna Belive (Fuzz Dance/ 1984) S. Giovanni Bassita- Summer Sweet (Fuzz Dance /1985) Naif Orchestra – Ring Me Up Rmx (Fuzz Dance/ 1986) Winston Tong – Broken English (Remix) – (LES DISQUES DU CREPUSCULE, 1986) Minimal Compact-Nil Nil (Remix) (CRAMMED DISCS/MASO /1988) Music for Meditation – Music for Meditation (MASO ) Outwave -Unstoppable (DCF/EXPANDED R.)
Overdub – Overdub (CALYPSO/IRMA RECORDS)
Outwave – Selling India by the pound (2 tracks) (VOX POP) B. Miranda-M.Dami – A good day (C.P.I.- MERCURY)
CD-ROMs:
Firenze Laurenziana (ACTA-SCALA 1994)
Viaggio in Egitto (ACTA-SCALA 1995)
Atlante Storico Multimediale (SILAB/DIGIMAIL 1995)

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